Mittwoch, 26. Oktober 2011

Kapitel 3

Kapitel 3

Ich lag hier also auf dem Bauch im gerade abkühlenden Wüstensand und wartete darauf, dass ein Sandbuddler durchlief. Es war ein dicker großer Nager mit viel Fleisch an dem runden rattenähnlichen Körper, der unter dem Sand hin und her hetzte, wie ein Verrückter, weil er niemals still stehen durfte, da er ansonsten starb. Es war eigentlich ein Hai, in Rattenform.

Drei Tage marschierte ich, ohne etwas zu essen, mit dem penetranten Wolf im Nacken durch die Wüste. Jetzt war ich AUSGEHUNGERT.

Mein Magen knurrte und das nicht zum ersten Mal. Drei waren mir schon durch die Lappen gegangen. Ich war einfach keine superschnelle Bestie, so wie Angeberwolf, der ein paar Meter entfernt schon zwei der dicken Viecher gefressen hatte und sich gerade genüsslich das Maul sauber leckte. Er lag da… faul mit ausgestreckten Vorderpfoten wie eine Sphinx und schnaubte immer, wenn mir einer durch die Lappen ging. Ich wusste ganz genau, dass er mich auslachte.

Ich ignorierte ihn geflissentlich, was gut für ihn war Ich hatte Hunger und war aggressiv. Die zwei Monde standen bereits hell am Wüstenhimmel. Das Feuer brannte knisternd. Es wartete nur auf das Fleisch.

Da… türmte sich wieder ein Stück von mir der Sand. Der Sandbuddler rannte darunter hindurch und ich hechtete schnell hinterher. Sie waren verdammt schnell… und ehe ich mich versah, war der Sandhaufen schon weitergezogen und über einen Hügel verschwunden.

Fluchend schlug ich mit den Fäusten in den Sand. Mein Magen knurrte erneut. Meine Kehle war außerdem ganz trocken und ich entschied mich dazu, einen Schluck von meinem genau dosierten Wasser zu trinken, nur einen einzigen Schluck. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist schwer nur wenig zu trinken, wenn man sich fühlt, als könnte man einen ganzen Fluß aussaufen.

Ich schaffte es und wischte mir danach den Mund ab, während ich mich im Schneidersitz frustriert vors Feuer setzte. Dann eben kein Abendessen. Wenn man kein Frühstück und kein Mittagessen gehabt hatte, dann kommt es aufs Abendessen nun auch nicht mehr an…

Ich steckte die Flasche weg, zog die Knie hoch, schlang die Arme darum und schaute blicklos in die züngelnden Flammen. In der Nacht wurde es hier verdammt kalt. Aber wenn ich schön am Feuer sitzen blieb, ab und zu aufstand und ein paar Schritte ging, um mich zu bewegen, dann wäre es in Ordnung. Ich dürfte bloß nicht einschlafen.

Mein Magen zog sich vor Hunger erneut zusammen. Mit den Schmerzen im Bauch würde ich ganz sicher nicht schlafen können. Wieder ein Vorteil.

Plötzlich landete etwas dumpf neben mir im Sand. Es war der dickste Sandbuddler, den ich jemals gesehen hatte und er hatte ein zerbissenes Genick. Nur drei Schritte entfernt stand der Wolf. Hinter ihm konnte man die zwei Monde sehen und hätte er nicht wieder mit heraushängender Zunge so dämlich gegrinst und wäre so selbstzufrieden gewesen, hätte er richtig majestätisch ausgesehen.

Ich schaute zu ihm, zu dem Fleisch und wieder zurück.

„Ich will dein Fressen nicht.“ Ich packte das Vieh am glatten Schwanz und warf es ihm vor die Füße.

Ich war auf keine Gestaltwandler angewiesen. Auch wenn sich hinter diesen eisigen Wolfsaugen ein Mensch verbarg, so gehörte er immer noch zu den Bestien, die den einzigen Menschen gefressen hatten, der mir etwas bedeutete.

Er ging zu dem Tier und schob es mit der Nase bis zu mir. Mit dieser Bewegung kam er mir so nah, dass ich sein Fell hätte berühren können, das leicht im Nachtwind wehte. Ich krampfte die Finger um meine Beine und zischte: „Geh weg .“ Daraufhin schaute ich stur geradeaus in die Flammen. Einen kurzen Augenblick fiel mir auf, dass ich wegen seiner Nähe gar nicht in Alarmbereitschaft war und darüber wurde ich nur noch wütender.

Mir schien es fast, er würde mit den Schultern zucken, als er sich an die andere Seite des Feuers legte und genüsslich anfing zu fressen. Die Knochen knackten. Das Fleisch riss und seine weiße Schnauze war am Schluss blutrot.

Genüsslich leckte er sich das Blut ab, legte dann seinen mächtigen Kopf auf die Vorderpfoten und beobachtete mich über die Flammen hinweg, mit seinen menschlichen eisblauen Augen. Ich schaute zurück. Etwas anderes hatte ich ja sowieso nicht zu tun. Nach einiger Zeit stellten sich mir die Nackenhaare von seinem Blick auf. Er war so… Forschend. Eindringlich. Menschlich. Als würde mir gegenüber ein richtiger Mann sitzen und keine Bestie.

Er verwirrte mich mit seinem Blick und ich schaute wieder weg, legte mich rückwärts hin und betrachtete den klaren Sternenhimmel über mir. Es war ziemlich hell in der Nacht, weil es am Himmel so viele Sterne gab, dass man fast kein Schwarz sehen konnte. Außerdem konnte man noch einen anderen Planeten sehen. Er war fast so nah wie der Mond und hauptsächlich blau, also bestand er zum größten Teil aus Wasser. Jedoch waren auch braune, graue und grüne Flächen zu sehen. Davor waren allerdings weiße Streifen. Ich nehme an, es waren Wolken. Wenn ich diesen Planeten ansah, bekam ich ein altbekanntes Ziehen in der Brust. Es war immer so, wenn ich ihn anschaute. Man konnte ihn nur in der Nacht sehen und ich lag oft schlaflos da. Deswegen kannte ich ihn so gut wie in und auswendig. Ob man darauf wohl auch leben konnte, so wie hier? Ob es dort vielleicht Menschen gab?

So richtige Menschen, mit einem Gewissen und moralischen Vorstellungen, mit dem Streben danach Gut zu sein? Glückliche Pärchen? Große Familien?

Ob es hier wohl irgendwo einen Mann gab, der für mich bestimmt war?

Orangeglühende und eisblaue Augen, die sich vermischten und mich verwirrten… das war das letzte, an was ich mich erinnern konnte. Dann wachte ich auf.

Die erste Sonne ging gerade am Horizont auf und ich lag seitlich im weichen Sand. Zum Glück war mir beim Schlafen kein Käfer ins Ohr geklettert! Schlafen? Wenn ich geschlafen hatte und mich nicht bewegt hätte, dann müsste ich eigentlich tot sein…außer es hätte mich jemand gewärmt!

Mit verengten Augen richtete ich mich auf und schaute über das herabgebrannte Feuer hinweg. Kein Wolf war zu sehen! Ich blickte mich um, nur leere Wüste, hellblauer Himmel, die sich jagenden Sonnen und vergessen wir natürlich nicht die halbtoten Bäumchen.

Der Wolf war weg und mein Magen zog sich zusammen. Ich schob es natürlich auf den Hunger…

Gut… dann hatte ich jetzt wenigstens wieder meine Ruhe und konnte weinen, wann und wie es mir gefiel! Dann konnte ich mich wieder einsam und verlassen fühlen… Immer alles schön reden, dann ist es nicht so schlimm… Gähnend rappelte ich mich auf und streckte die Hände der Sonne entgegen. Dabei fiel mein Blick auf meine, schon wieder dreckigen, Fingernägel und ich zuckte zusammen. Wenn ich eine Oase fand, dann müsste ich dringend ein Bad nehmen und es war mir egal, wer mir im Wasser auflauern würde.

Obwohl der Wolf weg war, ging ich hinter die nächste Düne, um mein morgendliches Geschäft zu erledigen. Zum Glück konnten meine Füße nun gemeinsam mit dem Sand heiß werden, dachte ich, als ich zurück kam.

Ich schaute zu der Feuerstelle und meine Schritte stockten, denn er war nicht weg… Jetzt war er wieder da und saß geduldig an seiner Stelle. Irgendwas tief in meinem Bauch entspannte sich bei seinem Anblick.

„Bist du immer so hartnäckig?“ Ein breites Wolfsgrinsen war die Antwort. Langsam ging er mir damit wirklich auf den Geist. „Ich werde nicht auf dich warten oder stehen bleiben, wenn du mal musst…“ warnte ich ihn mehr im Scherz als Ernst und marschierte drauf los. Ich wusste, dass er mir still und heimlich folgte, dafür musste ich mich erst gar nicht umdrehen.

Als ich merkte, dass ich lächelte, wischte ich mir schnell über das Gesicht und war froh, dass die Bestie es nicht gesehen hatte. Jawohl Bestie und NEIN, er hatte mich die Nacht sicher nicht gewärmt! An so etwas wollte ich erst gar nicht denken! In dem Tier steckte schließlich ein Mann… und zu was Männer fähig waren, hatte mir der Panter nur zu gut gezeigt… mit seinen starken Händen… und seinem hübschen atemberaubenden Lächeln… OH NEIN! NEIN NEIN NEIN! Ich driftete wieder ab!

Meine Schritte wurden bestimmter, als ich mir verbot an jegliche Monster zu denken. Ich dachte einfach an Opas Märchen, während ich, mit dem Wolf im Rücken, durch die Wüste marschierte. Auf zur nächsten Oase. Dort müsste ich erst mal meine Wasserflasche auffüllen. Ansonsten würde ich sterben.

Ich werde sterben, dachte ich am Nachmittag, als die Sonnen hell und erbarmungslos herabbrannten. Dort wo eine Oase hätte sein sollen, war nichts als verdorrtes Gestrüpp und die nächste war zwei Tagesmärsche entfernt. Fast genauso weit war es bis zur Waldebene und zurück auch.

Mit Tränen in den Augen stand ich vor der Oase und griff nach meiner Flasche. Ich schüttelte sie. Hörte nichts. Ich öffnete sie und hielt mir die Öffnung auf die ausgestreckte ausgetrocknete Zunge. Kein einziger Tropfen berührte sie. Also schleuderte ich erst mal die Flasche weg und fiel auf die Knie… Dort raufte ich mir eine Runde die Haare… Dann krabbelte ich zu der Flasche und sammelte sie wieder auf. Ich hatte nicht mehr viel, also war es dämlich den Rest meiner Habseligkeiten auch noch in der Wüste wegzuschmeißen.

Ich konnte es noch bis zur Waldebene schaffen und mir dort Wasser holen. Aber wenn mich auf dem Weg dorthin jemand angriff, dann war ich ungefähr so wehrsam wie der Osterhase, der zur Verteidigung mit seinen bunt bemalten Eiern schmeißt.

Im Augenwinkel sah ich, wie die weißen großen Wolfspfoten, mit den spitzen schwarzen Krallen, neben mich traten und er nüchtern das betrachtete, was von der Oase übrig war. Es war mir egal, dass er so nahe war. Ich würde sowieso sterben. Diese Welt war einfach nicht für mich gemacht. Ich war zu schwach. Ich war zu allein. Ich würde es niemals allein bis zum Pan schaffen.

Ich fühlte eine kühle Schnauze, die mir in die Schulter stupste und wich angeekelt zurück. „Hör auf damit und sag mir lieber, was ich jetzt machen soll.“ Fragend, enttäuscht und auch wütend schaute ich zu ihm hoch…in seine hellblauen menschlichen Augen. Er schaute ernst zurück.

Er würde mir ja doch keine Antwort geben, doch in seinen Augen konnte ich etwas erkennen von dem sich mein Herzschlag beschleunigte… also schaute ich kopfschüttelnd wieder weg. Aufgeben war etwas für Schwächlinge… und allein war ich eigentlich nicht. Er war da. Also rappelte ich mich auf und ging weiter.

„Komm.“ Sagte ich, ohne zu überlegen und erschrak vor mir selbst, während wir weiter marschierten.

Der Hunger trieb mich eindeutig in den Wahnsinn, der Durst sowieso. Meine Beine waren schwach vom vielen gehen. Meine Muskeln zogen und ziepten. Meine Kehle war staubtrocken, dafür war jeder Zentimeter meines Körpers mit Schweiß bedeckt.

Ich würde in dieser elendigen Wüste umkommen, dachte ich nicht nur einmal am Tag.

Je später es wurde, umso mehr grübelte ich. Wäre ich doch einfach oben im Nebelwald geblieben und wäre seine Sklavin geworden. Kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, hätte ich mich am liebsten selbst geschlagen. Aber nicht mal dazu hatte ich die Kraft.

Und die verließ mich immer mehr.

Am Abend konnte ich nicht mal mehr ein Feuer machen. Ich ging solange ich konnte. Aber irgendwann war es vorbei mit jeglicher Energie und ich ließ mich einfach kraftlos in den Sand fallen. Es tat gut einfach nur zu liegen, auch wenn die Nacht bereits eiskalt angebrochen war und ich dringend ein Feuer bräuchte.

Während ich seitlich im Sand lag sah ich gerade noch wie die letzte Sonne hinter einem fluffigen Sandberg verschwand und das letzte Stück Wärme mit sich nahm. Ich konnte förmlich fühlen, wie die Dunkelheit immer näher gekrochen kam.

Aber das war nicht das einzige.

Es war doch egal, ob ich einem Monster in die Finger fiel oder erfror. Da war mir das Erfrieren sowieso lieber. Also rollte ich mich so klein zusammen wie es ging und wartete, wartete auf irgendwas. Auf was, wusste ich selber nicht, während sich die Nacht komplett und ohne jegliches Erbarmen über mich senkte.

Mein Körper war schon bald ausgekühlt und ich fing an so sehr zu frieren, dass meine Brustwarzen vor Kälte schmerzten und meine Zähne klapperten. Das mit dem Erfrieren war vielleicht doch keine so gute Idee gewesen. Es tat weh und das lange, bevor mein Körper anfing taub zu werden.

Ein Schatten überdeckte einen der Monde und ich schaute zähneklappernd hoch…direkt in die besorgten Augen der Bestie, die eigentlich gar keine Bestie war, weil sie mich bis jetzt noch nicht gefressen hatte. Jetzt war ich kalt. Jetzt war es klar, dass er keinen Appetit auf mich hatte. Aber selbst von der Wüstensonne erhitzt, hatte er seine Beißerchen bei sich gelassen.

Was wollte er nur von mir?

Fragend schaute ich ihn an. Fragend schaute er zurück. Ich hatte keine Ahnung, was er wollte. Ehrlich nicht. Konnte der mal nicht mit mir reden?

Plötzlich legte er sich eine Armeslänge von mir entfernt hin und ich runzelte verwundert die Stirn. Sein Blick war mit meinem verwoben, als er sich Stück für Stück zu mir schob und da wurde es mir klar.

Er wollte mich wärmen!

Die Bestie wollte mir das Leben retten, indem sie mich wärmte.

Im ersten Moment wich ich zurück, doch es tat weh mich zu bewegen. Es tat einfach nur weh und ich wollte außerdem auch eigentlich gar nicht sterben. Also biss ich die klappernden Zähne zusammen und hob mit aller Anstrengung, die ich aufbringen konnte, einen Arm.

Er sah fast schon erleichtert aus, als er ganz an mich heran kroch. Ich streckte meinen Körper etwas aus, so dass er sich genau neben mich legen konnte. Er lag auf dem Bauch, die Hinterbeine unter sich, die Vorderbeine ausgestreckt und schaute wartend auf mich herab. Den letzten Schritt musste ich machen. Und ich machte ihn!

Ich robbte über den kalten Wüstensand und umklammerte seinen Rücken mit einem Arm, den anderen schlang ich um die dichte Mähne seines Halses. Er war nicht nur warm. Er war heiß wie ein Ofen und er stank nicht. Er roch frisch. Rein. Also vergrub ich mein Gesicht in seinem weichen langen Fell, genau an seinem Hals. Er lehnte leicht sein Kinn auf meinen Kopf und ich fühlte mich plötzlich so geborgen wie noch nie. Tränen traten sogar in meine Augen.

Selbst Opa konnte mir nicht diese Geborgenheit geben. Schließlich war er nicht doppelt so groß wie ich, bestand nur aus Muskeln und hatte rasiermesserscharfe Zähne. Er war eben nur ein Mensch gewesen. Das hier war ein Raubtier. Von der Natur erschaffen um zu töten. Aber langsam wurde mir klar, dass es unter den Gestaltwandlern auch gute und böse gab.

Ich wollte es ja nur ungern zugeben. Aber dieser hier war gut.

Er beschützte mich und wärmte mich in der kalten Nacht.

Mir wurde klar, dass ich den Menschen, hinter dem Tier, gerne kennenlernen würde. Aber nicht heute Nacht. Heute Nacht war ich einfach nur froh, dass er mir als lebendiger Ofen diente und als meine Zähne aufhörten zu klappern, meine Muskeln sich lockerten und ich einschlief, tat ich das, dass erste Mal seit Jahren, mit einem Lächeln im Gesicht.

Mit diesem wachte ich nicht auf, denn ich war wieder allein. Ich wollte mich im ersten Moment wieder davon überzeugen, dass es gut so war… das er eine Bestie war… das ich ihn nicht brauchte… das ich gerne einsam und verlassen war, während ich blinzelnd im mittlerweile warmen Sand lag. Aber dem war nicht so.

Ich würde ihn nicht rufen und mich nicht nach ihm umsehen, sondern einfach wieder mein Geschäft erledigen gehen. Das tat ich. Als ich über den Sandhügel zurück kam, saß er da und wartete geduldig auf mich, als wäre es niemals anders gewesen. Und ich lächelte wieder. Dieses Mal beließ ich es dabei. Auch wenn der Hunger und der Durst mich immer noch halb wahnsinnig machten, so war ich nicht mehr allein und verlassen.

Er war anscheinend eine treue Seele und genau so etwas brauchte ich.

Wortlos gingen wir drauf los. Aber wie auch nicht… ich rollte über meine eigenen Gedanken mit den Augen. Er ging jetzt nicht mehr hinter mir, sondern neben mir, so dass ich seinen geschmeidigen Bewegungen zusehen konnte. Es war ein hübscher… ein majestätischer… mächtiger Wolf. So ein strahlendes weiß hatte ich noch nie gesehen und dann erst diese außergewöhnlichen Augen dazu…

Er glubschte zu mir und ich schaute schnell weg. Peinlicherweise wurde ich rot, weil ich beim Starren erwischt worden war. Toll. Wunderbar.

Der sollte sich jetzt bloß nichts drauf einbilden. Ich hoffte er hatte die Bewunderung nicht in meinem Blick gesehen, aber als er mir plötzlich verspielt mit der Schnauze in den Oberschenkel stieß, war es mir klar. Er hatte es mitbekommen!

Ich sah ihn jetzt nicht mehr an. Auf gar keinen Fall!

Die Dünen wurden immer breiter und höher. Es wurde immer anstrengender sie zu besteigen und eine kullerte ich versehentlich ins Tal herab, weil ich falsch auftrat. Wenigstens war ich schnell unten, dachte ich, als ich mit dem Mund voller Sand ankam. Ich versuchte ihn auszuspucken, aber durch den Flüssigkeitsmangel hatte ich nicht mehr viel Spucke übrig. Also ging ich mit Streuselkuchengefühl im Mund weiter, bis jede Faser meines Körpers schmerzte.

Die Luft wurde mit jedem Schritt, den wir gingen, ein wenig kühler. Wenn wir die Nacht durchmarschierten, waren wir am nächsten Tag in der Hochebene. Dort, wo es Wasser und etwas zu Essen gab, sogar ein kleines Häuschen und den Pan, der mir raten würde, was ich als nächstes tun sollte.

Der Wolf roch die kleine Veränderung in der Luft auch, merkte wohl auch, dass wir immer näher kamen, denn er wurde eindeutig nervös.

Er spitzte die Ohren und blieb plötzlich stehen. Ich weiß nicht wieso. Aber ich tat es ihm gleich und somit überließ ich ihm plötzlich die Führung über uns beide. Ich sah zu ihm herüber und merkte wie sein Körper vor Anspannung ganz starr wurde. Dann sträubten sich seine Nackenhaare und er knurrte leise. In seine Augen trat ein schier tödlicher Ausdruck.

„Was ist?“ flüsterte ich ihm zu. Sein dunkles Knurren und der Ausdruck in seinen Augen machte mir Angst, auch wenn es nicht mir galt. Automatisch wich ich einen Schritt zurück. Er duckte sich ein wenig, legte die Ohren an und sein Knurren wurde lauter, eindringlicher. Ich folgte seinem Blick und erstarrte, als ich zum Horizont schaute.

Dort oben… auf einer Sanddüne war eine Schlange… und damit meine ich keine normale Schlange. Ich meine eine Amphisbaena. Die hatte nicht nur ein Köpfchen an ihrem Körper, sondern gleich mal zwei. Ein Köpfchen vorne. Ein Köpfchen hinten. Ich hatte mich schon immer gefragt, wie die das mit ihren Ausscheidungen anstellte, aber dieser Frage würde ich ganz sicher wann anders klären.

Sie stand dort mitten in der letzten untergehenden Sonne, mit hoch aufgerichtetem, grünlich schimmernden Leib, gelben Augen und herausblitzender Zunge und ich wusste, wir mussten sterben…oder kämpfen. Ich wich noch ein paar Schritte zurück, griff aber instinktiv schon mal nach meinem Dolch.

Der Wolf wich nicht zurück. Er wusste wohl, dass sie vor hatte anzugreifen, denn er schlich sich geduckt nach vorne. Ich konnte dabei sehen, wie seine Schultermuskeln arbeiteten. Angriff war eben die beste Verteidigung. Aber ich wusste nicht, ob und wie er, mit diesem massigen Körper, klar kommen würde. Sie war sicher zehn Meter lang und begann sich jetzt, in aller Ruhe, die Düne herunter zu schlängeln. Jede Flucht war zwecklos. Sie war zu nah. Und ich war mir sicher, dass er niemals kampflos flüchten würde. Auch wenn es DÄMLICH war!

Jetzt stand ich hier also Seite an Seite mit einem Gestaltwandler und würde gegen eine Amphisbaena kämpfen. Toll… dabei war der Tag heute gar nicht mal so schlecht gewesen! Bis auf die Tatsache das ich kurz vor dem Verdursten war und kaum Kraft in meinem Körper hatte. Aber zum Glück gibt es ja noch das Adrenalin das jetzt anfing durch meine Blutbahnen zu rauschen.

Sie kam näher und näher… er duckte sich soweit, dass er fast mit dem Sand verschmolz und aus irgendeinem Grund wurde ich auch ganz ruhig und bewegte mich nicht mehr. Ich hatte mal gehört, dass Amphisbaenas sie nicht gut sehen konnten. Vielleicht hatte sie so Probleme uns auszumachen.

Als sie nur noch zwei Meter entfernt war, wollte ich dann doch laufen und auch, als sie vor dem Wolf war und stehen blieb. Sie richtete sich auf… verdeckte mit ihrem massigen langen Körper die Sonne… und wartete… Wir warteten… Die gesamte Welt wartete ein paar Sekunden.

Dann schnellte sie plötzlich nach vorne.

Ich schrie vor Schreck. Der Wolf war schnell genug und sprang auf die Seite, so dass sie nur eine Ladung voll Sand erwischte. Doch da war noch ihr Hinterteil, welches ja eigentlich das Vorderteil war und andersrum auch… und das schnappte auch nach ihm.

Er duckte sich darunter hinweg und sprang dann den Hals der Schlange an. Er verbiss sich darin, zerrte sie herab und stemmte sich mit allen vier Pfoten gegen den Boden, zog die schwere Schlange zappelnd durch den Sand. Das Blut tropfte auf die Erde und über seine weiße Brust.

Der andere Teil zischte und wollte ihn auch attackieren. Mir wurde klar, dass er mit beiden Köpfen nicht fertig werden würde und anstatt wegzulaufen und das Weite zu suchen, schrie ich sie an und fuchtelte wild mit den Armen.

„Hey… HEY! Hier bin ich! Komm und friss mich!“ Sie schaute mich kurz, fast schon arrogant, an. Der riesige Wolf zerrte noch einmal und riss ein großes Stück Fleisch aus ihrem anderen Hals. Sie zischte, wandte sich von mir ab und wollte ihn angreifen. Okay… ich war wohl nicht gefährlich genug.

Bevor sie ihm allerdings in den ungeschützten Rücken biss, sprang ich einfach mal so drauf los und rammte ihr mit beiden Armen mein Messer irgendwo in den Leib. Hauptsache rein da.

Ich wusste, ich konnte sie nicht tödlich verwunden, aber ich würde den einen Kopf wenigstens beschäftigen, bis der andere zerstückelt war. Weitere Fleischbrocken fielen. Blut tropfte in der heißen Wüste, doch JETZT hatte ich ihre Aufmerksamkeit.

Sie wollte nach mir schnappen, ich sah sie kommen und rollte mich schnell über ihren Körper, so dass sie sich selber biss. Dabei zog ich mein Messer aus ihr und stieß aus Versehen in den Wolf, der mit dem anderen Kopf beschäftigt war. Ich fiel ungraziös auf meinen Hintern. Mein Messer landete, nicht gerade griffbereit, im blutgesprenkelten Sand.

Ich hörte hinter mir ein dumpfes Geräusch und sah, wie der andere Kopf abgetrennt in den Sand fiel. Mich würgte es fast, doch ich hatte für Übelkeit keine Zeit.

Der noch lebendige, nun sehr wütende Schlangenkopf raste nämlich bereits auf mich zu. Mist! Ich konnte gerade noch die Hände heben, da stand plötzlich der Wolf vor mir und zwang sie schnappend dazu, den Schlag nicht auszuführen, wenn sie nicht direkt mit seinen imposanten Beißerchen Bekanntschaft machen wollte.

Ich hätte fast applaudiert, doch dafür blieb nun auch keine Zeit mehr.

Das ihr zweiter Kopf ab war, hieß nicht, dass sie den Rest ihres Körpers nicht nutzen konnte. Er lockte ihre Zähne von mir weg… und ich lag jetzt also allein im Sand… da fühlte ich plötzlich, wie sich ihre feste trockene Schlangenhaut um mich schmiegte… mich einwickelte… ganz leicht und dann immer fester.

Ich schrie… und strampelte drauf los, konnte aber nicht mehr reagieren, oder gar an mein Messer herankommen, als sie mich komplett umschlang und anfing zu pressen… mir das Leben aus dem Körper zu drücken…

Mir wurde schwindlig und ich fühlte mich, als würden meine Augen aus meinen Höhlen quellen, während sie mich mit dem Hinterteil malmte und vorn herum mit dem Wolf kämpfte.

Ich streckte meine Finger über den heissen Sand und versuchte an mein Messer zu kommen, fast schaffte ich es… aber es reichte nicht ganz… bevor Schwärze mich umfing und mir wortwörtlich die Luft ausging.

CUT!

Als Erinnerung: Die Liebes/Fick/Dreier-Geschichte geht erst ab fünf- sechs Kapiteln richtig los, aber dafür wird es etwas… grenzsprengendes…unvergessliches… von mir noch nie dagewesene… absolut AVLiges… mit zwei heißen DonBoth-Kerlen ;)… ja ich weiß… ich hab das Grenzen Sprengen oft versprochen, aber immer eingehalten, oder???? ODER? Also GEDULDET EUCH und sagt mir wie ihr es bis jetzt findet. Auch wenn es Prosa ist! Im nächsten Kap lernen wir den Wolf als Mensch kennen… und er ist so………..

Finde es traurig wenn nur so wenig Reviews kommen. Ihr habt mich eben in der Vergangenheit zu sehr verwöhnt. ;)

Danke natürlich an Beta Bella Baby fürs betan und fürs diskutieren und fürs dasein… und… und… und… ;)

Ich knutsch euch mal wieder, ganz leise und heimlich und unauffällig!

KNUTSCH!

Kommentare:

  1. Irgendwie mag ich den panther lieber...
    ich Liebe ES !!!!!

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  2. Hi, Ich liebe die Geschichte jetzt schon, und würde mich freuen wenns bald weitergeht ;) Liebe Grüße

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